• 1909

    Am 4. September 1909 wurde die in neubarocker Stilrichtung erstellte Pestalozzischule als erste "Städtische Volksschule" im Stadtteil Freiburg-Haslach der Öffentlichkeit übergeben. Am Haupteingang ist neben dem Freiburger Wappen ein Wappen mit einem springenden Hasen angebracht. Dieses kann berechtigterweise als eine "Stilblüte" bezeichnet werden, denn der Name Haslach hat als Ursprung die Haselnussstaude und nicht den Hasen. . Die Volksschule ist unterteilt in Mädchen - und Knabenschule. Lange Zeit war die Pestalozzischule die "Haslacher Schule" schlechthin. Für die schon "ältere Generation" ist unvergesslich, dass die Mädchen bis weit in die 50er Jahre auf der linken Hofseite und die Buben auf der rechten Seite streng getrennt ihre Runden drehen mussten. Wilhelm Beisel, bereits Hausmeister in der "Alten Schule", wird erster Hausmeister der Pestalozzischule. Er war nicht nur ein strenger "Ordnungshüter der Schule", sondern auch für viele ein "Erlöser". So kann man einen alten Schulaufsatz der ersten Schüler der Pestalozzischule entnehmen, dass der tägliche Schultag von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr ging. Dazu kamen die "ordentlichen Hausaufgaben". Mit Gebet und Lied wurde der Unterricht angefangen und beendet. Es konnte nicht ausbleiben, dass die Haslacher Buben, die Mädchen waren damals noch zu schüchtern, ein Lied hinzufügten: "Gott sei Dank durch alle Welt, dass der Beisel "zwöfi"("vieri") schellt.

    1926

    Der Nordflügel der Pestalozzischule parallel zum Dorfbach wird gebaut.

    1929

    Joseph Hitzfeld ist Hausmeister bis 1959 (nur durch einige Kriegsjahre unterbrochen) "De'Hitzi" wurde er meist ehrfürchtig von den Schülern genannt und von einem Großteil der Schüler als der "eigentliche Chef der Schule" betrachtet.

    1934

    Wegen Platzmangels wird das Schulhaus um den Südflügel erweitert. Damals war es Dr. Joseph Schlippe als Stadtbaumeister, der bei der Erweiterung so behutsam vorging, dass nur Kenner die Handschrift zweier Architekten bemerkten. Der von den Nazis eingesetzte Oberbürgermeister Dr. Kerber sprach bei der Einweihungsfeier davon, "die Jugend im nationalsozialistischen Geiste zu erziehen", während der Oberregierungsrat Dr. Heidelberger als Vertreter des Kultusministeriums davon sprach, die Kinder im Geiste Pestalozzis, des Namensträgers der Schule, zu erziehen.

    1939

    Zu Anfang des Zweiten Weltkrieges wurden Flak-Einheiten (Flak=Flugabwehrkanone) in der Schule einquartiert. Es wurden Luftschutzräume in der Schule eingerichtet. Wegen der sich verbreitenden Kinderlähmung beginnt die Schule erst am 1.11.1939. Acht Räume sind immer noch von militärischen Einheiten belegt.

    1940

    Eine Woche nach Ostern wird der Jahrgang 1933/34 eingeschult, unsere heutigen "Altlozzis".Den Erstklässlern wird beigebracht, die Lehrer mit "Heil Hitler" zu begrüßen, der Pfarrer wird weiter mit "Grüß Gott" angeredet. Die 107 Schüler werden auf 2 Klassen aufgeteilt und von Herrn Lehrer Bechtold und Jäckle unterrichtet.
    Sitzhaltung: Beide Hände müssen auf die Schulbank gelegt werden und zwar so, dass vier Finger auf der Schreibplatte liegen und der Daumen nach unten zeigt.

    1943

    Eine Bombe fällt vor der Bäckerei Pfeifle mitten in die Straße. Luftangriffe nehmen zu.

    1944

    Von September bis November müssen zehnjährige Schüler mit dem Zug nach Ihringen fahren, von dort nach Gündlingen laufen und dann beim Ausheben von Schützengräben helfen. Nach dem Bombenangriff auf Freiburg am 27.11.1944 gibt es keinen Schulunterricht mehr.

    1945

    Die Schule wird durch französische und marokkanische Soldaten belegt. "Im Hof der Schule konnten wir zusehen, wie unsere Hefte und Zeugnisse, aber auch allerlei Kultgegenstände und Symbole des "3. Reiches" verbrannt wurden. "Nach über einem Jahr beginnt am 10.12.45 die Schule wieder. Es gibt kaum Heizmaterial. Eine damals junge Lehrerin berichtet: "Da hab´ ich eine erste Klasse bekommen mit 120 Schülern in drei Abteilungen. Das war also im Dezember. Da ist nicht geheizt worden. Die Kinder haben fast nichts anzuziehen gehabt, die sind im Winter noch barfuß in die Schule gekommen, also unter dürftigsten Verhältnissen, aber die Kinder haben sich gefreut, die sind gern gekommen, das ist ganz klar gewesen."

    1946

    In dem Gebäude muss noch die "Höhere Handelsschule" und die "Wirtschaftsoberschule" untergebracht werden.

    1947

    May Bellinghausen wird Rektorin und hilft mannigfaltig durch ihre Beziehung harte Not zu lindern. Später hat sie als Stadträtin manchem ihrer ehemaligen Schüler geholfen, bei der großen Wohnungsnot "ein Dach über dem Kopf" zu finden. Trotz ihrer Strenge war sie bei Schülerinnen und Schülern beliebt.

    1956

    Die Pestalozzischule wird zur "Volksschule mit Mittelschulzug".

    1965

    Umbenennung des "Mittelschulzuges" in " Realschulzug"

    1967

    Die Pestalozzischule wird in eine selbständige Grund- und Hauptschule und eine selbständige Realschule geteilt.

    1970/71

    Die Schule wird renoviert. Die Erneuerungen führen zu einem nicht unumstrittenen Erscheinungsbild, das einige Fachleute als zu starken Eingriff in die individuelle Note des Baues bezeichnen.

    1973

    Die Hauptschule wird aufgehoben. Seither sind im Gebäude eine selbständige Grundschule und eine selbständige Realschule untergebracht.

    1977

    Am 1.3. 1977 übernimmt Bernhard Wolk als Schulleiter die Realschule von seiner Vorgängerin Frau Leimbach.

    1981

    Die Pestalozzischule bekommt eine neue Sporthalle. Es ist der Lokalverein, der sich im Namen der Haslacher Bürger dafür einsetzt, dass die alte Halle den Namen "May-Bellinghausen-Halle" bekommt. Sie dient als Veranstaltungsraum für die Haslacher Vereine und die Pestalozzischule.

    1986

    Es ist schon eine fast besondere Ehre als Haslacher ein "Lozzi" zu sein. So nennen sich die ehemaligen Schüler der Pestalozzischule. Im Rahmen der Vorbereitungen zur 1200 Jahrfeier tun sich besonders die "Lozzis des Jahrgangs 1928" mit Werner Kromer an der Spitze hervor und erreichen etwas Einmaliges: Aus allen Teilen der Bundesrepublik, aus Kanada, Amerika, Australien und von weit her kommen die ehemaligen Schüler der Pestalozzischule zum großen "Lozzitreffen" anlässlich der 1200 Jahrfeier beim "Haslacher Hock". Am Freitagabend trifft man sich im überfüllten Schulhof, mehr als 40 Klassen kann man zählen. Angefangen von den fast 80 -Jährigen bis hin zum "Gemüse oder den Setzlingen, die heute gezogen werden", kann der Schulleiter etwa 1500 Lozzis begrüßen. Anschließend werden auf einer Großbildleinwand alle Klassen der verschiedenen Jahrgänge gezeigt. Am jeweiligen Jubel hört man, wo sich die Klasse gerade zusammenschart. Man trifft sich danach in der Schule, sucht die alten Klassenzimmer auf und tauscht manche Erinnerungen aus.

    1989

    Frau Elvira Röhrig wird Rektorin der Pestalozzi-Grundschule als Nachfolgerin von Herrn Rektor Prenk.

    1990

    Am 26.4.1990 wird der Förderverein der Pestalozzi-Realschule gegründet. Erster Vorsitzender ist Herr Nixdorf.

    1993

    Herr Erich Nußbaumer wird Rektor der Pestalozzi-Realschule.

    2005

    Es wird Herr Carlos Santos-Nunier Rektor der Pestalozzi-Realschule.

     

    2009

    Die Pestalozzi-Schule (Grund- und Realschule) feiert am 24./25.07.2009 das 100jährige Schulgebäudejubiläum!

    2010

    Unsere Schule macht sich auf den Weg zur "Weiterführenden Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Profil (WSB-Schule) und nimmt an dieser Initiative als eine von 30 Schulen in Baden-Württemberg teil.

    2012

    Nach über 30-jähriger Dienstzeit verlässt Karlheinz Wissmann unsere Schule, zuletzt als stellvertretender Schulleiter. Herr Wissmann hat ganz nach Pestalozzi unsere Schule mit Herz, Hand und Kopf geprägt. Er wurde zum ersten "Ehrenlozzi" ernannt.

    Zum 01.08.2012 nimmt Frau Monika Natterer ihren Dienst als Konrektorin auf. Sie unterrichtete bislang an der Weiherof-RS und war auch zuvor an unserer Schule tätig.

    Schlussbemerkung

    In all den Jahren nahmen sich der Schule und den Schülern zahlreiche Rektorinnen und Rektoren sowie Lehrerinnen und Lehrer mit Engagement und Einfallsreichtum der großen Schülerzahl an. Etliche der Pädagogen kamen, wie sie später sagten, zunächst ungern nach Haslach, wollten dann aber die Atmosphäre dieser Schule nicht mehr missen. Viele, die von der Pestalozzischule wieder versetzt wurden, dachten mit Wehmut an Schule und Schüler zurück.Der Geistliche Rat Carl Kistner sagte immer: "Wer einmal Haslacher Wasser getrunken hat, den zieht`s immer wieder zurück."

    Quellen

    - Artikel von Roland Huck im Haslacher Boten
    - Buch von Walter Deuter "Haslacher Schulwegerinnerungen"

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